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Bröckelnde Industrieikonen

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„Schöpferische Zerstörung ist ein vom österreichischen Wirtschaftswissenschaftler Joseph Alois Schumpeter (*1883, †1950) geprägter Begriff für den durch den Wettbewerb ausgelösten Prozess der ständigen Erneuerung und Verbesserung der Produktionsverfahren und Erzeugnisse. Den Prozess der schöpferischen Zerstörung, bei dem alte Güter und Produktionsverfahren ständig durch neue ersetzt werden, sieht Schumpeter als Motor der wirtschaftlichen Entwicklung. Eine zentrale Rolle spielt dabei der schöpferische, einfallsreiche Unternehmer, der durch neue Ideen und den Einsatz neuer Produktionsmethoden, Techniken und Verarbeitungsmöglichkeiten den wirtschaftlichen und technischen Fortschritt immer wieder vorantreibt.“, so der Duden Wirtschaft von A bis Z. Alternativ wird aktuell auch von Disruption gesprochen: Innovation, die eine bestehende Technologie, ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung möglicherweise vollständig ablöst. Häufig denkt man hier im ersten Augenblick eher an technologische Neuerungen wie die Digitalfotografie, den MP3-Player, die Dampfmaschine oder den 3D-Drucker. Es lohnt sich aber durchaus auch, die Disruption durch neue Geschäftsmodelle wie Airbnb oder Uber zu betrachten.

Gleichzeitig fällt bei der Betrachtung der schöpferischen Zerstörung auf, dass insbesondere deutsche Industrieikonen, die gerne auch mal das Wort „Deutsche“ im Firmennamen tragen, davon betroffen sind:

  • Die Deutsche Lufthansa als DIE deutsche Airline und Aushängeschild der Nation wird von den No Frills-Airlines wie Easyjet oder Ryanair sowie den arabischen und asiatischen Carriern wie Emirates oder Cathay Pacific in die Zange genommen. Im Ranking der sichersten Airlines ist „Die Lufthansa“ von Platz 11 auf Platz 18 gefallen (Plätze 1-3: Air New Zealand, Finnair und Cathay Pacific). Zudem scheint gefühlt ein Streik den nächsten zu jagen – die Piloten mit Cockpit, die Flugbegleiter mit UFO – und die Kostenbasis ist auch zu hoch, insbesondere hohe Gehaltskosten inklusive signifikanter Pensionslasten drücken. Nachtflugverbote tun ihr Übriges.
  • Die Deutsche Bank ist nicht mehr unter der Top 10 der größten (wichtigsten?) Banken der Welt. Sie wird seit Jahren von verschiedensten Skandalen und Rechtsstreitigkeiten (Stichwort: Libor) durchgeschüttelt. Die Strategie in den letzten Jahren erschien, zumindest mir, unklar. FinTechs wie PAYMILL, Number26, Numbrs etc. schießen wie die Pilze aus dem Boden und werden dank billigem Geld und fehlenden Anlagemöglichkeiten massiv finanziert (subventioniert?). Dazu kommt nun auch noch ein massiver Stellenabbau mit der Reduzierung um mehrere tausend Arbeitsplätze.
  • Und last but not least: Volkswagen, ein börsennotiertes Unternehmen, patriarchisch geführt wie ein Familienunternehmen. Der Abgasskandal ist vermutlich nur ein extern deutliches Signal, das etwas nicht stimmt. Hinzu kommt auch hier die hohe Kostenbasis, insbesondere im Stammwerk in Wolfsburg. Und auch hier gibt es immer mehr aufstrebende Wettbewerber aus Asien und technologisch (vermeintlich?) innovativere Hersteller wie Tesla oder zukünftig vielleicht auch Google oder Apple.

Also Augen auf, liebe deutsche Traditionsunternehmen, liebes Deutschland. Um unsere internationale Spitzenposition auch auf Dauer halten zu können, ist die schumpeter’sche schöpferische Zerstörung auch in bestehenden Unternehmen gefragt. Nur durch ständige Erneuerungen kann die Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft sichergestellt werden.

In diesem Sinne, seien Sie kreativ innovativ und zeigen Sie den Mut zur schöpferischen Zerstörung!

Bis bald

Ihr

Ingo Weber