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Der amerikanische Präsident

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Wie schrieben die Kollegen von n-tv.de so schön am Mittwochmorgen: Wir sind mit einer Präsidentin Hillary Clinton ins Bett gegangen und neben einem Donald Trump aufgewacht. Willkommen im Kopfkino der unappetitlichen Art. Sehr schön im Übrigen auch die Moderatoren von SWR3, die nach Obama jetzt einen orangenen Präsidenten in den USA sehen.

Weltweites Erschrecken und Irritationen, insbesondere auch in Deutschland. Getreu dem Motto, dass am deutschen Wesen die Welt genesen mag (ursprünglich aus Emanuel Geibels Gedicht „Deutschlands Beruf“ von 1861 zur Einigung der deutschen Nationalstaaten, im heutigen Verständnis interpretiert durch Wilhelm II, der auch gleich das „mag“ durch ein „soll“ ersetzte), setzen dies genau die Personen um, die das Motto zwar vorleben, das Zitat und das deutsche Kaiserreich aber weit von sich weisen würden. Wie können die Amerikaner nur so einen Präsidenten wählen, um nicht zu sagen, wie kann man nur so dumm sein? Dass unser Außenminister dem Gewinner der US-Präsidentschaftswahl nicht gratuliert, mag ein treffendes Beispiel sein. Immerhin förmlich gratulierte die deutsche Kanzlerin, um ihn aber auch gleichzeitig zu ermahnen (ich persönlich denke, dass ihn das tief getroffen hat – Ironie aus).

Die Folgen waren im ersten Schritt sehr kurzfristige Kursrückgänge an den Aktienmärkten (politische Börsen haben kurze Beine) und der Anstieg des Goldpreises. Aber schon wenige Stunden nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse hat sich die Aufregung bereits gelegt. Zum einen haben die USA schon andere Präsidenten überstanden als einen exzentrischen Vielleicht-Milliardär. Man erinnere sich nur an Ronald Reagan, ein ehemaliger Westernheld, der es mit seiner Wirtschaftspolitik „Reaganomics“ sogar in die Geschichts- und Wirtschaftsbücher schaffte. Oder einem George W. Bush, bei dem mir spontan leider nichts Positives als Hinterlassenschaft einfällt und der von der Sängerin Pink sehr schön besungen wird mit: „Du hast es weit gebracht seit Whiskey und Kokain“. Zum anderen – und das zeigen auch andere deutsche Parteien – ist es eine Sache, Wahlkampf und Opposition zu machen, die Realität sieht jedoch meist häufig ganz anders aus und so wird es auch einem Präsidenten Trump ergehen.

Meine persönliche Quintessenz aus dem vorstehend Gesagten bzw. was können wir daraus mitnehmen?

  • Wir (Deutsche bzw. Europäer) sollten uns nicht als moralische Instanz über alles stellen, auch wir haben Defizite und wären ohne die amerikanische Hilfe vermutlich in Osteuropa gar nicht (mehr) präsent.
  • Es kommt nicht immer so schlimm wie man es denkt, meistens passt es sich nach positiven wie negativen Ausschlägen wieder der Normalität an.
  • Ohne Verantwortung lässt sich hervorragend kritisieren und erzählen was und wie man alles besser machen kann. Muss man aber selber ran, ist es doch nicht so leicht wie gedacht.

In diesem Sinne, reflektieren Sie ruhig einmal kritisch Ihre Ansprüche an sich selbst und seien Sie beruhigt, die Welt wird sich auch mit Donald Trump weiterdrehen.

Bis bald

Ihr

Ingo Weber