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ESEF-Taxonomie – Die Basis des neuen Berichtsformats

Customer Insight -

Nach erfolgreichem Abschluss der Einführung von IFRS 15 (Erlöse aus Verträgen mit Kunden) und IFRS 16 (Leasingverhältnisse), haben die Unternehmen nun Zeit sich den nächsten Projekten zu widmen. Hierzu zählt vor allem die Vorbereitung auf das neue EU-weit einheitliche elektronische Berichtsformat, auch ESEF (European Single Electronic Format) genannt. Danach sind kapitalmarktorientierte Unternehmen ab 2020 verpflichtet, ihre Abschlüsse im XHTML-Format zu veröffentlichen und mit sogenannten XBRL-Auszeichnungen unter Verwendung der Inline XBRL-Technologie (iXBRL) zu versehen.

Die Basis des neuen Berichtsformats bildet die ESEF-Taxonomie. Die Zuordnung der einzelnen Taxonomie-Elemente zu den Angaben in den Jahresfinanzberichten setzt ein tiefgehendes Verständnis der IFRS sowie der einzelnen Abschlussangaben voraus. Erst für die letztendliche Umsetzung der Auszeichnungen in iXBRL ist ein Tool notwendig. Somit handelt es sich bei diesem Projekt keinesfalls um ein rein technisches Thema, sondern gefordert sind in erster Linie die Fachabteilungen.

Die Unternehmen, insbesondere Rechnungswesen und Investor Relations, sind zurzeit intensiv dabei, sich mit den Hintergründen und Anforderungen des neuen Berichtsformats auseinanderzusetzen. Dabei begegnen uns häufig folgende Fragen von Mandanten:

1.    Was bedeutet diese Neuregelung für Unternehmen, die nur HGB-Abschlüsse machen?

HGB-Abschlüsse sind nicht mit der ESEF-Taxonomie auszuzeichnen. Sofern also Emittenten Jahresfinanzberichte erstellen, sind diese im XHTML-Format zu erstellen.

2.    Welche Berichtsbestandteile zählen als primäre Berichtsbestandteile?

Zu den primären Berichtsbestandteilen zählen

  • Bilanz,
  • GuV/Gesamtergebnisrechnung,
  • Kapitalflussrechnung sowie
  • Eigenkapitalveränderungsrechnung.

Zudem sind ab 2020 ca. zehn weitere zusätzliche Angaben, wie beispielsweise Name, Sitz, Rechtsform des Unternehmens und Beschreibung der Geschäftstätigkeit anzugeben.

3.    Ab wann ist das Berichtsformat für Gesellschaften mit abweichenden Geschäftsjahr anzuwenden?

ESEF ist erstmalig für Geschäftsjahre die am oder nach dem 1. Januar 2020 beginnen anzuwenden. Demnach würde eine Gesellschaft mit Geschäftsjahresende 30. September, ESEF erstmalig zum Geschäftsjahr 30. September 2021 anwenden. Vorjahresvergleichszahlen sind jedoch ebenfalls in iXBRL auszuzeichnen.

4.    Was ist eine Taxonomie?

Eine Taxonomie ist ein Klassifizierungssystem, um Informationen zu identifizieren und zu strukturieren. Für ESEF werden die Standardelemente der ESEF/IFRS-Taxonomie verwendet.

5.    Wie erhalte ich Zugriff auf die IFRS-Taxonomie?

Die IFRS-Taxonomie ist auf der Webseite des IASB abrufbar. Gleiches gilt für ESEF – die entsprechende Taxonomie ist auf der Webseite der ESMA zugänglich.

6.    Was bedeutet Mapping?

Unter Mapping versteht man die initiale Überführung der Berichtselemente in die IFRS-Taxonomie. Unternehmensspezifische Angaben (sogenannte „Entity Specific Disclosures“) können Taxonomie-Erweiterungen bedingen.

7.    Was bedeutet Tagging?

Tagging lässt sich mit Etikettierung oder Auszeichnung übersetzen. Jeder Position im relevanten Berichtselement (zum Beispiel einer einzelnen Zahl) wird ein eindeutiger technischer Name (sogenannter „Tag“) zugeordnet. Als Basis dient hierbei die vom IASB veröffentlichte IFRS-Taxonomie.

8.    Wie hängen Mapping und Tagging zusammen? Müssen die Daten zunächst einer vorgegebenen Struktur entsprechen bevor das Tagging erfolgt?

Der bestehende IFRS-Abschluss stellt die Datengrundlage dar. Es ist nicht beabsichtigt, dass der Abschluss in irgendeiner Weise anzupassen ist. Im Zuge der Erstellung des ESEF-Abschlusses ist demnach für jeden Abschlussposten ein zutreffendes Taxonomie-Element aus der Basistaxonomie zu identifizieren. Das wird Mapping genannt.

Nur wenn das nächststehende Element der Basistaxonomie die rechnungslegungsbezogene Bedeutung der ausgezeichneten Angaben falsch darstellen würde, ist ein zusätzliches Element in der Erweiterungstaxonomie zu erstellen, das dann für die Auszeichnung (Tagging) verwendet wird.

Wenn mit Daten die Taxonomie gemeint ist, dann besteht hier also gegebenenfalls vorab die Notwendigkeit einer Anpassung, bevor das Tagging vorgenommen werden kann.

9.    Sind auch quantitative Notes-Informationen betroffen (beispielsweise die Überleitung der Cashflow Hedge-Rücklage im Other Comprehensive Income (OCI))?

Es sind einige wenige quantitative Notes-Informationen betroffen, wie beispielsweise "Als Ausschüttungen an Eigentümer erfasste Dividenden pro Aktie". 

Überleitungsposten in den Notes sind nicht separat auszuzeichnen, sondern werden Bestandteil der jeweiligen Angabe sein. In diesem Fall beispielsweise Teil der Auszeichnung: "Angabe von Finanzinstrumenten [text block]".

10.    Die Disclosure-Tabellen können je nach Unternehmen sehr unterschiedlich in den Abschlüssen strukturiert und dimensioniert sein? Sind zur Vereinheitlichung Erweiterungstaxonomien notwendig?

Die Disclosure-Tabellen sind grundsätzlich nicht auszuzeichnen, sondern Bestandteil der übergeordneten Auszeichnung der Angabe des gesamten Postens in Form eines Textblocks. 

Sollen dennoch Tabellen ausgezeichnet werden, so bestehen diese meist aus schon existierenden Elementen der Taxonomie. Insofern dürfte einem Line Item ein jeweiliges Member zur Konkretisierung zuordenbar sein. Die Zuordnung eines Line Item und eines Member zu einem Tabellenelement ist daher unabhängig von der Struktur und der Darstellung der Tabelle. 

Sollte jedoch kein zutreffendes Line Item oder Member verfügbar sein, wird es einer Erweiterung der Taxonomie bedürfen. Bei Segmentangaben beispielsweise wird das die Regel sein.

11.    Ändert sich die Taxonomie häufig?

Es gibt regelmäßig Änderungen der Taxonomie. Hierbei werden beispielsweise Elemente aufgrund neuer oder geänderter Standards eingefügt, entfernt oder angepasst. Das IASB stellt sogenannte „versioning reports“ zur Verfügung, aus denen die jeweiligen Änderungen hervorgehen. 

Sollte das berichtende Unternehmen Änderungen am Abschluss vornehmen, die Taxonomie-Erweiterungen notwendig erscheinen lassen, so wird auch hierdurch eine Änderung der Taxonomie induziert.

12.    Welche Toolanbieter gibt es?

Neben dem Amana ESEF-Tagger oder Amana Smart Notes kann beispielsweise das ebenfalls integrierte Tool SAP Disclosure Management verwendet werden. Toppan Merrill oder Workiva sind ebenfalls gern genutzte Anbieter aus dem US-/SEC-Umfeld. Darüber hinaus gibt es selbstverständlich weitere Toolanbieter.

13.    Sind die generierten HTML-Dokumente dann direkt auf der Unternehmenswebseite einzubinden?

Dazu gibt es keine Verpflichtung. Jedenfalls sind die Dokumente im relevanten Register einzureichen. 

Gegebenenfalls bietet es sich im Hinblick eines Service-Gedanken für die Investoren an, das ausgezeichnete Dokument auch auf der Unternehmenswebseite zu veröffentlichen. Im US-Umfeld wird dies bereits so gehandhabt.

14.    Wo sind die Abschlüsse künftig zu veröffentlichen?

Die Abschlüsse werden voraussichtlich weiterhin im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht. Die ESMA betreibt hierzu ein Portal über das die Mitgliedstaaten Zugang zu ihren zentralen Speichersystemen sicherstellen. 

Im Fall von Deutschland ist dies der elektronischen Bundesanzeiger beziehungsweise das Unternehmensregister.

15.    Werden künftig im Bundesanzeiger unter der Rubrik "Rechnungslegung" quasi zwei Veröffentlichungen der Konzerne abrufbar sein?

a.    Reguläre Veröffentlichung (wie gehabt) und zusätzlich 

b.    Ein (zunächst abgespeckter) ESEF-Report

Die delegierte Verordnung wird vorsehen, dass die Emittenten ihre gesamten Jahresfinanzberichte im XHTML-Format zu erstellen haben. Sofern Jahresfinanzberichte konsolidierte Abschlüsse nach IFRS enthalten, zeichnen die Emittenten diese konsolidierten Abschlüsse aus. Demnach ist ein „abgespeckter" ESEF-Report nicht vorgesehen; sondern das reguläre Dokument ist um die jeweiligen iXBRL-Tags zu erweitern.

16.    Ist die Sprache der Einreichung des ESEF-Abschlusses beim Bundesanzeiger frei wählbar, beispielsweise für deutsche Aufsteller Deutsch oder Englisch? 

Grundsätzlich sind die Abschlüsse gemäß § 325 HGB in deutscher Sprache beim Bundesanzeiger einzureichen. Diese Anforderung wird sich voraussichtlich nicht ändern. 

Allerdings beinhalten die Konzernabschlüsse dann ausgezeichnete Informationen basierend auf der ESEF-Taxonomie. Somit können alle relevanten finanziellen Informationen der primären Abschlussbestandteile, unabhängig vom Sprachraum, durch die Adressaten ausgewertet werden.

17.    Werden die Fristen zur Einreichung beim Bundesanzeiger wegen iXBRL geändert?

Artikel 4 Abs. 1 der Transparenzrichtlinie sieht vor: 

Ein Emittent veröffentlicht seinen Jahresfinanzbericht spätestens vier Monate nach Ende jedes Geschäftsjahres. Dies ist bereits mit § 325 Abs. 4 HGB in deutsches Recht umgesetzt. Eine Änderung ist nicht zu erwarten. Auch wenn ESEF sicherlich nicht vergleichbar ist mit den Großprojekten IFRS 15 und IFRS 16, so empfehlen wir Ihnen, sich zeitnah mit dem neuen Berichtsformat auseinanderzusetzen und die ersten Entscheidungen voranzutreiben, insbesondere, ob Sie das Projekt Inhouse angehen möchten oder einen externen Partner hinzuziehen. Bei einer Inhouse-Bearbeitung werden Sie zudem nicht um eine Tool-Auswahl umhin kommen. Best Practice wäre ein Probeabschluss zum Geschäftsjahresende 2019.

ESEF wird auch eines der Themen unserer diesjährigen FAS Finance Highlights sein. Diese finden von August bis Oktober an neun Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz statt. Informationen und Anmeldung: www.fas.ag/finance-highlights

Für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung!