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Hallo, Taxi!

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Neulich bei der Lektüre des Handelsblatts (Zugfahren bildet) musste ich doch schmunzeln, fühlte ich mich etwa selbst ertappt?

Es ging um die Situation eines Geschäftsführers auf dem Weg zu einem wichtigen Termin in der Frankfurter City. Dummerweise hielt sein Zug an der Haltestelle Frankfurt Flughafen und nicht am Hauptbahnhof. Nun gibt es, zumindest in der Basisvariante, für dieses Problem (Beraterdeutsch: Herausforderung!) zwei Lösungsmöglichkeiten. Die vermeintlich bequemere und etwas teurere Variante, das Taxi oder die bodenständigere, preisgünstigere Lösung, die S-Bahn bzw. der Zug. Sie ahnen die Entscheidung der Führungskraft: lieber bequem und dafür etwas teurer (getreu des Schwäbischen Mottos: Was nix koschtet, taugt au nix). Im weiteren Verlauf wurde nun beschrieben, wie sich die Taxifahrt im morgendlichen Berufsverkehr der Frankfurter Innenstadt von Minute zu Minute hinzog, alle Meetingteilnehmer bereits im Raum versammelt waren und der Geschäftsführer regelmäßig Statusmeldungen abgab, um mitzuteilen, an welcher Stelle der Stadt er nun bereits stehe, um am Ende dann eine Stunde zu spät zum Termin zu kommen.

Aber was ist nun die Moral von der Geschichte? Nun, hätte der Geschäftsführer den Zug genommen, wäre er pünktlich und günstiger zu seinem Termin gelangt. Da jedoch dank Reisekostenrichtlinien und Buchungsportalen heutzutage Luxus bei Geschäftsreisen kaum mehr möglich ist (Business Class? Das ist innerdeutsch doch nur etwas für Schnösel, die sich wichtigmachen wollen und für ein belegtes Brötchen und ein bisschen mehr Platz das Doppelte zahlen…), ist das Taxi quasi die einzig verbleibende Möglichkeit sich „etwas zu gönnen“ –  gerne auch kombiniert mit der Aussage, dass man in diesem Fahrzeug ggf. auch noch Arbeiten sowie ungestört telefonieren kann. Wie Sie der Geschichte entnehmen können, trifft dies offensichtlich nicht immer zu.

Was allerdings noch viel schöner ist, wenn man gerne hinten sitzt: Die Zeiten der versifften Taxis mit der Holzkugelmatte auf dem Fahrersitz und dem Fahrer, welcher nach einer Mischung aus Döner und Zigarette duftet, gehen langsam aber sicher dem Ende zu. Und sind wir doch ehrlich, leuchtete es Ihnen jemals ein, warum ein schmutziges Taxi aus einer Kleinwagenreihe genau so viel kosten soll wie eine strahlende, angenehm riechende und neue E-Klasse? Warum ein Fahrer, der tatsächlich weiß wo er hinfahren muss, genau so viel erhält, wie ein Fahrer der im Gegensatz eher ein lückenhaftes Straßennetz-Wissen und kein Navi hat? Sicher, es gibt die freie Taxiwahl. Aber es ist natürlich ein Charaktertest an wartenden Taxis mit grimmig schauenden Fahrern vorbei zu laufen, um sich das schönste aus der Reihe auszusuchen.

Uber wird dieses Problem lösen – und nicht nur Uber. Zwar wird hier in Deutschland noch mit juristischen Hürden gekämpft, der ein oder andere Politiker nutzt ja aber auch gerne Taxis und “fährt“ hier eine andere Form des Lobbyismus. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich ein preisdifferenziertes Taxi- bzw. Fahrsystem auch in Deutschland durchsetzen wird. Und wer denkt, bei Uber ist das Ende erreicht, der kann sicher sein, dass hier noch etwas kommt. So durfte ich letzte Woche in München CleverShuttle nutzen. Eine Kombination aus Taxi und Mitfahrzentrale (neudeutsch: ride sharing) mit einem schicken Audi e-tron, also zumindest vermeintlich umweltfreundlich, durch die Stadt und das für € 3,18. Für das Geld steigt man in München nicht mal in ein Taxi ein. Mit Car2Go oder DriveNow wäre es vermutlich noch günstiger gegangen. Und abgesehen davon, dass es deutlich mehr Spaß macht, als die etablierten Taxianbieter zu nutzen, bietet es auch die Möglichkeit Geld zu sparen. Den Erwerb einer mehrere zehntausend Euro teuren Taxilizenz würde ich jedenfalls heute keinem mehr empfehlen, ein Impairment droht, auch bei cash accounting…

In diesem Sinne, gönnen Sie sich ruhig etwas bei Dienstreisen, aber am besten etwas das auch Spaß macht und Geld spart, das ist die wahre Kunst!

Bis bald

Ihr

Ingo Weber