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Konsultationspapier der IFRS Foundation zu Sustainability Reporting – ein bedeutsamer Schritt hin zu einem globalen Standardsetter für die nichtfinanzielle Berichterstattung?

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Im September 2020 hat die IFRS Foundation als Ergebnis ihrer eigenen Strategieüberlegungen ein Konsultationspapier zum Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung veröffentlicht. Darin schlägt sie die Gründung eines Sustainability Standards Boards (SSB) vor. Dieses soll – analog zum IASB – globale Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickeln, indem es auf der Arbeit der bestehenden unterschiedlichen Initiativen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (u.a. TCFD, GRI, SASB) aufbaut.

Aufgabe des SSB wäre, die Antworten auf drängende Anliegen aller Stakeholder zu liefern. Investoren fordern für ihre Investitionsentscheidungen aussagefähigere Angaben zu klimabedingten Risiken und Nachhaltigkeitsindikatoren. Eine wachsende Anzahl von Unternehmen berichtet über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten, weil sie gesetzliche Pflichten erfüllen und sich die Erkenntnis durchsetzt, dass das erfolgreiche Management von Nachhaltigkeitsrisiken einen positiven Einfluss auf die langfristige Wertsteigerung eines Unternehmens haben kann. Insbesondere Investoren und Unternehmen sind die treibende Kraft hinter der Forderung nach einer konsistenten und vergleichbaren Nachhaltigkeitsberichterstattung.

In den letzten Jahren haben Gesetzgeber und private Initiativen gesetzliche Vorschriften (z.B. EU-CSR Richtlinie 2014/95), Rahmenwerke (z.B. TCFD) und Standards (GRI) erlassen. Diese wenig koordinierten Aktivitäten führen zu einer hohen Komplexität und Ineffizienz verbunden mit stetig steigenden Kosten. Als global tätiger Standardsetter könnte das SSB diese Koordinationsaufgabe übernehmen und zur Komplexitätsreduzierung beitragen.

Die IFRS Foundation sieht sich insbesondere aufgrund ihrer Erfahrung mit dem IASB als globalem Standardsetter für Bilanzierungsstandards und ihrem bestehenden Netzwerk zu Regulatoren, Regierungen und den privaten Initiativen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung als besonders geeignet, globale Standards entwickeln zu können. Dadurch könnten die Forderungen nach Konsistenz, Vergleichbarkeit und geringerer Komplexität erfüllt werden.

Die IFRS Foundation schlägt in ihrem Papier einen sogenannten climate-firstAnsatz vor. Das bedeutet, dass wegen der Dringlichkeit des Erreichens der globalen Klimaziele zunächst nur klimabezogeneBerichterstattungsstandards entwickelt werden. Dabei wird gleichzeitig die Frage aufgeworfen, ob klimabezogene Informationen eng auszulegen seien und nur den Klimawandel und Treibhausgasemissionen umfassen sollen, oder ob weitere Umweltfaktoren (Wasserverbrauch, Wastemanagement, Kreislaufwirtschaft) und die damit verbundenen finanziellen Risiken berücksichtigt werden sollen.

Im Zusammenhang mit der sogenannten doppelten Materiality schlägt die IFRS Foundation ein stufenweises Vorgehen vor. Die doppelte Materiality besagt, dass nicht nur die wesentlichen Risiken für das Unternehmen durch z.B. den Klimawandel (outside-in view) relevant sind, sondern auch die wesentlichen Risiken aus dem Handeln der Unternehmen auf die Umwelt (inside-out view) Berücksichtigung finden müssen. Die IFRS Foundation befürchtet, dass die sofortige Anwendung der doppelten Materiality die Komplexität der Entwicklung der Standards erhöhen und folglich zu Verzögerungen bei der Einführung der Standards führen würde. Deshalb würde das SSB zunächst die Auswirkungen der Umweltrisiken auf die Finanz-, Vermögens- und Ertragslage der Unternehmen im Fokus haben und damit im Einklang mit den Bilanzierungsstandards stehen. In einem zweiten Schritt würden dann die Standards zur Berichterstattung der Risiken erarbeitet, die das Handeln der Unternehmen für die Umwelt mit sich bringt.

In dem Konsultationspapier stellt die IFRS Foundation elf Fragen zur eventuellen Gründung und der Vorgehensweise des SSB, auf die Interessierte bis zum 31.12.2020 antworten können. Nur wenn die überwiegende Anzahl der Antwortenden ein positives Feedback zur Gründung eines SSB abgeben, wird die Foundation ihren Vorschlag umsetzen.

Autor: Harald von Heynitz

Ansprechpartner
FAS Steuerberatungsgesellschaft mbH Harald von Heynitz Partner/Geschäftsführer