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Kopf(geld)jäger voraus

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Ich fürchte, mit meinem heutigen Blog schaffe ich mir keine Freunde in einer bestimmten Berufsgruppe. Aber dafür dürfte ich im Gegenzug doch das ein oder andere aussprechen/schreiben, was mancher sich schon denkt.

Es geht um die Gilde der Personalberater – neudeutsch bzw. englisch Headhunter (die deutsche Übersetzung „Kopfjäger“ klingt eher schwierig bzw. zu martialisch). Natürlich trifft alles Nachfolgende nicht auf alle Mitglieder dieser Berufsgruppe zu 100% zu, sondern nur auf ein paar wenige, die berühmten schwarzen Schafe, die „Anderen“. Und selbstredend ist es bei den meisten Anbietern in dieser Branche ganz anders.

Grundsätzlich ist die Funktion des Personalberaters eine sehr sinnvolle – wie so viele Sachen „grundsätzlich“ sinnvoll sind. Er/Sie unterstützt die Unternehmen bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern, definiert das Stellenprofil, übernimmt die Ansprache passender Kandidaten und begleitet den Prozess. Soweit dies ein Unternehmen nicht mit internen Ressourcen stemmen kann, ist das nur fair.

Aber hier fangen bereits die Probleme an:

Schwarzes Schaf No.1 ist nämlich der „Profiljockey“ (in Anlehnung an den Discjockey): Definition Stellenprofil, passende Kandidaten, Prozessbegleitung – Fehlanzeige! Kurz die Anforderungen durchgesprochen (wenn überhaupt) und dann den Auftraggeber mit zumeist unpassenden Profilen überschütten, ohne vorher mit den Kandidaten ausreichend gesprochen zu haben. Die Prozessbegleitung konzentriert sich dann auf den schnellen Abschluss des Arbeitsvertrages, ob es passt oder nicht ist egal, Hauptsache die Provision wird fällig  (die bei dieser Arbeits-“leistung“ i.d.R. nicht einmal gerechtfertigt ist).

Das schwarze Schaf No. 2 ist der „Frühaufsteher“, der bekanntlich den Wurm fängt. Er spricht Kandidaten bereits während des Studiums an (wenn es gut läuft, zumindest kurz vor Studienende) und zirkuliert dann deren CV an alle möglichen Interessenten – natürlich verbunden mit dem Wunsch der Provisionierung. Hier habe ich persönlich die Schwierigkeit, dass es mir bereits am Engagement der Kandidaten fehlt, sich selbst um eine Stelle zu bemühen und die eine erschreckende Empfängermentalität an den Tag legen. Hinzu kommt die Tatsache, dass diese Kandidaten dann für eine Direktbewerbung bei dem Unternehmen durch die Provisions-AGB geblockt sind. Es stellt sich allerdings die Frage, ob man den beruflich und persönlich noch unerfahrenen jungen Menschen hier einen Vorwurf machen kann oder ob sich nicht der Personalberater die Frage stellen sollte, ob sein Vorgehen adäquat ist.

Das dritte schwarze Schaf ist der „Märchenerzähler“: „Hallo mein Name ist Müller, ich bin von der XY Bank und wir sind dabei ein IFRS 9 Projekt aufzusetzen. Könnten Sie mich bitte mit einem Ansprechpartner verbinden?“. Die gut geschulte Telefonzentrale erkennt die Situation, die unbedarfte nicht. In den meisten Fällen geht es hier nicht um eine Auftragsvergabe, sondern ein Personalberater versucht „frech“ mögliche Kandidaten im Unternehmen direkt zu identifizieren. Dies ist nicht nur unverschämt, sondern insbesondere auch störend und entspricht nicht einer guten Kultur.

Mein letztes Problem und Lieblingsdiskussion ist die Vergütungsstruktur. Ja, ich verstehe, dass die Vorleistungen bis zum Abschluss des Arbeitsvertrages Aufwand verursachen und man diese gerne vergütet bekommen würde. Aber was ist denn am Ende die Leistung, die bezahlt wird? Doch nicht der Prozess, sondern der zufriedene neue Mitarbeiter, der dem Unternehmen dauerhaft erhalten bleibt. Folglich sollte die Vergütung doch auch nur dann zahlbar sein, wenn dieser dauerhafte Erfolgsfall eintritt. Kommen dann noch Streitigkeiten über sog. Garantiefälle hinzu (Mitarbeiter kündigt während der Probezeit) und der Headhunter „versucht“ nachzuliefern (oder auch nicht), behält aber seine Vergütung, weil „leider“ die Nachbesetzung nicht klappte, dann wurde sogar eine nicht erfolgreiche Leistung bezahlt.

In diesem Sinne setzen Sie bei der Zusammenarbeit mit Personalberatern auf professionelle Anbieter (aber nicht nur hier!) und vermeiden Sie die schwarzen Schafe.

Bis bald

Ihr

Ingo Weber