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Lebenssinn, Leidenschaft und die liebe Arbeit

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Wieder mal ist einer aus der Kategorie „Neulich im Vorstellungsgespräch“ Auslöser für diesen Blogbeitrag – in Kombination mit der Lektüre von Auszügen aus dem Buch „Feierabend! Warum man für seinen Job nicht brennen muss.“ von Volker Kitz.

Neulich im Vorstellungsgespräch: Ausbildung zum Industriekaufmann, dann wirtschaftswissenschaftliches Studium mit dem Schwerpunkt Sozialmanagement, währenddessen Praktikum im Bereich der Jugendarbeit. Warum Studium Sozialmanagement? Ich will etwas machen, dass meinem Leben einen Sinn verleiht. Ja, finde ich gut, wünscht sich wohl jeder, wer will schon etwas Sinnloses erledigen. Nach dem Studium dann Tätigkeit für den Staat – nach wenigen Monaten beendet. Warum? Wollte mehr mit Familien arbeiten, aber es waren fast nur Flüchtlinge. Aha, Flüchtlinge finde ich gut, aber bitte nicht bei mir und so. Und nun? Arbeitssuchend (klingt übrigens viel besser als arbeitslos) und die Erkenntnis, dass es im sozialen Bereich nicht ausreichend (gut bezahlte) Stellen gibt. Oha. Späte Erkenntnis mit knapp 30 Jahren, aber immerhin. Unnötig zu erwähnen, dass wir uns nicht einig wurden.

Was mich aber dazu führt, über die berühmte Sinnsuche bei der Arbeit zu sinnieren, kommt doch in unregelmäßigen Abständen auch von Mitarbeitern das Feedback, dass manche Tätigkeiten nicht ausfüllend seien. Gleichwohl sei an dieser Stelle angemerkt, dass es historisch durchaus Personen gab, die auch die Tätigkeiten nicht ausfüllten, teilweise auch in ein und derselben Person.

Lassen Sie mich hierzu zum Einstieg eben Volker Kitz zitieren: „Arbeit hat nichts mit Erfüllung oder Spaß zu tun. Und Firmen wollen auch nicht die Sinnsuche ihrer Mitarbeiter voranbringen – sondern Produktivität. Arbeitgeber, die das offen zugeben, hätten Respekt verdient“.

Moment mal! Was ist denn mit den tollen Herausforderungen, den spannenden neuen Aufgaben, der Schaffung von besseren Arbeitswelten etc., um auf den Webseiten und Jobportalen zu glänzen?

Ja, diese Herausforderungen und Aufgaben gibt es definitiv und sollten im besten Fall auch den größten Anteil der Zeit bei der Arbeit ausmachen. Schließlich kommt nicht umsonst das Wort Beruf von Berufung, bei welchem auch der Sinn bzw. die Sinnhaftigkeit mitschwingt. Wer in seinem Beruf dies nicht sieht, der hat wirklich nur einen Job, eine Möglichkeit Geld zu verdienen, unabhängig vom Inhalt der Tätigkeit. Und nur aus der Sinnhaftigkeit kann sich auch Leidenschaft ergeben.

Aber: Derjenige, der die Erwartung hat, dass bei der Arbeit die Tätigkeit immer nur Spaß macht und Freude bereitet, ist entweder in einer sehr beneidenswerten Lage oder – und das ist die wahrscheinlichere Variante – wird vom tatsächlichen Inhalt der Arbeit umso mehr enttäuscht werden. Dies insbesondere bei jungen Menschen, welche noch nicht ausreichend einschlägige Erfahrung gesammelt haben. Dies führt dann zu einem schnellen (ersten) Arbeitsplatzwechsel und der Erkenntnis beim nachfolgenden Arbeitsplatz, dass das Gras auf der anderen Seite des Zaunes doch nicht grüner ist. Primär dient die Arbeit nicht dazu, die Mitarbeiter zu beglücken, sondern dass das Unternehmen funktioniert und damit das Gehalt der Mitarbeiter zahlen kann. Gemeinsam das Unternehmen voranbringen und ein Ergebnis zusammen zu erzielen, das ist das Ziel.

Auch die Tatsache, dass sich früher oder später wiederholende Tätigkeiten ergeben sollte nicht negiert werden. Zum einen ist Wiederholung per se nicht schlecht und kann durchaus zu Erfolgserlebnissen führen, etwa wenn dieselbe Tätigkeit besser oder schneller erledigt wurde. Zum anderen ist Wiederholung auch wichtig, Stichwort „Lernkurve“ und die Unternehmen (und damit indirekt wiederum die Mitarbeiter) profitieren von diesen Produktivitäts- und damit Profitabilitätssteigerungen.

In diesem Sinne, seien Sie realistisch mir der Einschätzung des Spaßfaktors Ihrer Tätigkeit, aber auch gemeinsam mit Ihren Kollegen, dies beugt Enttäuschungen vor.

Bis bald

Ihr

Ingo Weber