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Shareholder vs. Stakeholder

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Gestern war ich auf der Verleihung des Reinhard Mohn Preises 2016 der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh (ja, war nicht um die Ecke, hat sich aber gelohnt). Die Stiftung ehrt damit herausragende und international renommierte Persönlichkeiten, die sich um wegweisende Lösungen zu gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen verdient gemacht haben. In diesem Jahr stand die Verleihung unter dem Motto „Verantwortungsvolles Unternehmertum“ – unternehmerische Handlungsansätze zur Gestaltung gesellschaftsrechtlicher Veränderungen.

Der Preisträger in diesem Jahr ist Klaus Schwab, Gründer und Gastgeber des Weltwirtschaftsforums in Davos. Der 1957 in Ravensburg geborene Schwabe (welch Konsistenz) gründete 1971 das European Management Forum, aus welchem später das Weltwirtschaftsforum hervorging. 1998 gründete er mit seiner Ehefrau Hilde Schwab, die Schwab Foundation für Social Entrepreneurship. Mit der Preisvergabe wurde sein erfolgreiches und andauerndes Engagement für ein geteiltes Verständnis von Verantwortung für die Gesellschaft unter der Beteiligung von Unternehmen, Politik und Zivilgesellschaft gewürdigt.

Schon in den 70er Jahren positionierte sich Klaus Schwab mit seiner Ausrichtung an den Stakeholder-Interessen gegen den in dieser Zeit aufkommenden Shareholder Value-Ansatz von Michael Porter.

Der Shareholder Value-Ansatz postuliert die Ausrichtung der Unternehmensinteressen an den Shareholdern, den Anteilseignern und wird häufig darauf reduziert, dass es nur um die Wertsteigerung des Unternehmens und damit des Vermögens der Aktionäre abstellt. Gleichwohl muss hier gesagt werden, dass Porter nicht so einfach dachte und argumentierte. Er stellte vielmehr fest, dass in einem Unternehmen, dem es gut geht und das wächst, auch alle anderen Beteiligten („Stakeholder“) davon profitieren – Arbeitnehmer in Form von sicheren Arbeitsplätzen und steigenden Gehältern, die Gemeinde durch Arbeitsplätze und der Staat durch Steuereinnahmen. Leider reduzierte sich die praktische Umsetzung dann aber doch häufig lediglich an den Aktionärsinteressen und vernachlässigte die Bedürfnisse anderer Parteien (Stichworte: Arbeitsplatzreduzierung, Steueroptimierung etc.). Nur am Rande sei im Übrigen erwähnt, dass auch hinsichtlich der IFRS Disclosures ähnlich argumentiert wird, um mit der Befriedigung der Informationsbedürfnisse auch den Informationsbedarf anderer Beteiligter abzudecken.

Schwab setze sich hingegen mit seiner Stakeholder-Theorie davon ab und hob die Balance von Unternehmen zwischen Wachstum und der Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit hervor. Dabei zielte er darauf ab, dass ein Unternehmen allen Gruppen, die direkt oder indirekt mit dem Unternehmen verbunden sind, das heißt Aktionäre, Gläubiger, Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Staat und die gesamte Gesellschaft, dienen soll. Dass sich hieraus zwangsläufig Interessenskonflikte ergeben liegt auf der Hand. Steigende Gehälter sind aus Mitarbeitersicht zumindest kurzfristig gut, langfristig ein Problem (siehe die Herausforderungen deutscher Airlines), aber aus Aktionärssicht eher negativ. Gleichwohl sind natürlich gut bezahlte Arbeitnehmer in der Regel auch motivierter und zufriedener und tragen so zur Wertsteigerung bei. Als Mittel der Wahl zur Lösung dieses Konfliktes empfahl er das gemeinsame Gespräch. Okay, das ist keine Raketenwissenschaft, aber in der Praxis stellt es offensichtlich doch eine Herausforderung dar. Dies zieht sich auch wie ein roter Faden durch das Event in Davos, wie die legendären Gespräche zwischen Mandela/De Klerk (Südafrika), Arafat/Peres (Palästina/Israel) oder Kohl/Modrow (BRD/DDR) zeigen.

In diesem Sinne, beachten Sie nicht nur die Shareholder-, sondern auch alle Stakeholder-Interessen und suchen Sie den Ausgleich.

Bis bald

Ihr

Ingo Weber