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Sind Sie noch Büro?

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„Ich bin noch Büro“ oder „Kommst Du nachher mit Sport?“. Haben Sie solche Sätze in letzter Zeit auch gehört? Haben Sie sich dann auch die Frage gestellt, was mit den ganzen Artikeln und Präpositionen passiert ist? Ich vermute schon. Allerdings hört man dies doch eher häufig von – vorsichtig Fettnäpfchen political correctness! – Personen, die nicht ursprünglich in Deutschland geboren sind.

Es ist aber auch ein Graus mit dem „der“, „die“, „das“ und warum welcher Artikel jetzt zu welchem Substantiv gehört. Das Auto, das Motorrad, aber der Lkw , der Roller und dann noch die Lokomotive, die Vespa? Hier stellt man sich doch tatsächlich die Frage, welcher Logik das Ganze folgen soll. Und fragt man einen nativ Deutschsprachigen warum das so ist, dann muss auch dieser häufig passen. „Ist eben so.“, „ich weiß auch nicht“ oder „nach Gefühl“ sind die Aussagen in diesem Kontext. Da haben es die Franzosen doch mit „le“ und „la“ besser. Von den Angelsachsen ganz zu schweigen mit ihrem singulären „the“ bzw. zumindest „a“ und „an“ – je nach Anfangsbuchstabe des Substantivs. Insofern ist es doch im Zuge der Globalisierung und Internationalisierung nur konsequent, dass wir Deutschen uns hier sprachlich weiterentwickeln und den Artikelwirrwarr endlich auflösen. Aber gleich weglassen?

Dieses Themas hat sich Diana Marossek, eine Berliner Sprachwissenschaftlerin, in ihrer Doktorarbeit angenommen, es „Kurzdeutsch“ genannt und in ihrem gerade erschienen Buch „Kommst Du Bahnhof oder hast Du Auto“ weiter (und verständlicher ;) ausgeführt.

Dabei wurde unter anderem festgestellt, dass dieser Fehler nicht nur von Migranten begangen wird, sondern in den verschiedensten Bevölkerungsgruppen. Der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (müsste es nicht das Institut für DIE Deutsche Sprache sein? Ohje, es setzt sich durch…), Ludwig Eichinger, kam zu dem Schluss, dass diese Sprachform genutzt wird, um sich jugendlicher und lässiger zu geben.

Hinzu kommt die zunehmende Kommunikation über Messenger oder soziale Medien. Im Gegensatz zum gesprochenen Wort ist hier die entsprechende Eingabe erforderlich. Und Tippen ist nun mal anstrengender als Reden – hier zählt jedes Wort, jeder Buchstabe, bis hin zur Reduzierung des geschriebenen Wortes durch Emoticons. Frau Marossek stellt fest, dass sogar Akademiker in bestimmten Situationen in einer Art „Ghettoslang“ miteinander kommunizieren (wir erinnern uns an die Elitepartner-Werbung „Akademiker und Singles mit Niveau“ und stellen wieder einmal fest, dass Akademiker ein deeeeeeeeeeehnbarer Begriff ist).

Im Übrigen sehen Sprachwissenschaftler in Studien durchaus auch den Einfluss des Türkischen, so Melanie Kunkel vom Duden. In dieser Sprache gibt es nämlich gar keine Artikel oder Präpositionen. Ebenso gibt es aber in Deutschland verschiedene regionale Dialekte. Das „Ich bin auf Arbeit“ zum Beispiel ist in Berlin bzw. den neuen Bundesländern schon länger eine gängige Formulierung.

Es stellt sich die Frage, was die Zukunft bringt? Ist es nur eine vorübergehende Erscheinung und wird es wieder verschwinden? Oder wird die deutsche Sprache auf Dauer ihre Artikel und Präpositionen verlieren? Es ist zu befürchten.

In diesem Sinne nutzen Sie Artikel so lange sie noch da sind, nicht immer ist es gut jugendlich und lässig zu wirken.

Bis bald

Ihr

Ingo Weber

P.S.: Jetzt hab ich übrigens Angst zu unserer Kaffeetheke zu gehen, wird der ein oder andere bestimmt die Welt ohne Artikel ausprobieren wollen…ich gehe Kaffee…