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Studie: Fair Value Berichterstattung und Ergebnisse von Kreditinstituten

Financial Services -

Der Sinn und die Aussagefähigkeit des Fair Values als Bilanzansatz wird häufig hinterfragt. Ungeachtet dessen hat er gerade für Finanzinstrumente eine hohe Bedeutung, da bei den 20 größten deutschen Kreditinstituten durchschnittlich 27% (maximal 55%) der Aktiva zum Fair Value bilanziert werden. Darüber hinaus ist für alle Finanzinstrumente im Rahmen des Anhangs der Marktwert darzustellen. Die entsprechenden Angabepflichten wurden mit dem IFRS 13 nochmals gegenüber den schon vorher bestehenden Angaben nach IFRS 7 deutlich erweitert. Die FAS AG hat dies zum Anlass genommen und für die Jahre 2013 bis 2015 die Fair Value Bilanzierung und die Ergebnisauswirkungen der 20 größten deutschen Kreditinstitute und die der 5 größten europäischen IFRS Kreditinstitute zu untersuchen.

In dem Wissen, dass je nach Art der Instrumente und je nach Ausübung von Kategorisierungswahlrechten ein nicht unerheblicher Teil aus der Marktwertbilanzierung stammt, stellt sich die Frage, welches denn nun das relevante Ergebnis ist. Als Bilanzierer kommt einem da entweder der Jahresüberschuss, wie er in der GuV steht oder das sogenannte Gesamtergebnis (das wesentlich von der nicht GuV-wirksamen Erfassung von AfS-Positionen – zukünftig unter IFRS 9 FVOCI Positionen – geprägt ist) in den Sinn. Wenn man jedoch Fair Value Änderungen grundsätzlich als ergebnisrelevant betrachtet, drängt sich die Frage auf, ob dann nur die Fair Value Änderungen berücksichtigt werden sollten, die aufgrund der mehr oder minder zufälligen Kategorisierung zum Fair Value bilanziert werden oder ob auch die Marktwertänderungen der restlichen Finanzinstrumente eine Relevanz haben. Soweit letzteres der Fall ist, müsste das Gesamtergebnis um die Veränderungen der stillen Reserven und Lasten aller nicht zum Marktwert bilanzierten Finanzinstrumente ergänzt werden. Die Relevanz dieser Frage wird deutlich, wenn man sich anschaut wie stark die Abweichungen in 2015 hier teilweise sind:

  • GuV und Gesamtergebnis weichen durchschnittlich um 113% voneinander ab – auch wenn im Gesamtergebnis natürlich noch andere Komponenten, wie z. B. versicherungsmathematische Gewinne enthalten sind.
  • GuV und Totalergebnis (Gesamtergebnis zzgl. Änderung der stillen Reserven und Lasten) weichen durchschnittlich um 155% voneinander ab.
  • Gesamtergebnis und Totalergebnis weichen um durchschnittlich 127% voneinander ab.

In allen drei Fällen sind die Streuungen erheblich und nehmen teilweise Werte von mehr als 1000% an. Hieraus ergibt sich nahezu zwangsläufig die Frage nach der Qualität der Marktwerte. So ist es ein offenes Geheimnis, dass die Qualität der Bewertungen für die Anhangangaben nicht an die der zum Fair Value bilanzierten Instrumente herankommt. Es ist allerdings mit einer gewissen Glättung zu rechnen, da in diesem Zusammenhang nur die Veränderungen betrachtet wurden und nicht die absolute Höhe. Ungenauigkeiten sollten sich somit in beiden Vergleichsperioden ähnlich niederschlagen. Für die zum Fair Value bilanzierten Instrumente verfügen wir dank der IFRS 13 Angaben noch über weitere Informationen. So ist für alle Instrumente mit dem niedrigsten Qualitätsstand der Bewertung (Level 3 – Instrumente bei denen für die Bewertung wesentliche Parameter nicht von einem Markt abgelesen werden können), eine Sensitivitätsangabe zu machen wie sich deren Wert verändern würde, wenn andere realistische Parameter herangezogen würden. Eine Analyse der Effekte zeigt, dass – obwohl nur 2,5% aller zum Fair Value bilanzierten Instrumente hierunter fallen – die Spannen im Durchschnitt 10% des Gesamtergebnisses ausmachen.

Für das berichtende Unternehmen ergibt sich hieraus eine Reihe von Fragestellungen:

  • Welche Größe ist für meine Investoren relevant (viele Ratingagenturen lassen sich inzwischen regelmäßig die Veränderung der stillen Reserven/Lasten zusätzlich aufbereiten)?
  • Wie kommuniziere ich diese Effekte und macht es ggf. Sinn – auch wenn nicht vom Standard gefordert – zwischen zinsinduzierten Effekten und sonstigen Effekten zu unterscheiden (was sich ggf. auch im Rahmen der Entwicklungen zum Macro-Hedge nach IFRS 9 sowieso ergeben könnte)?
  • Welche Möglichkeiten und Notwendigkeiten habe ich, die aus den Fair Value Änderungen resultierende Volatilität (des Total-Ergebnisses) zu steuern?
  • Welche Möglichkeiten bestehen, die Sensitivität der Level 3 Positionen zu reduzieren?

Falls Sie sich über die Möglichkeit zur Optimierung der Fair Value Berichterstattung oder die sich aus dem Fair Value Reporting ergebenden Steuerungsmöglichkeiten näher austauschen möchten, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die vollständige Studie finden sie unter den Publikationen der FAS AG.