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Tschö mit „ö“!

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Keine Sorge, dies ist keine Abschiedsmail, sondern fällt eher unter die Kategorie „Schicksale eines Handlungsreisenden unter linguistischen Gesichtspunkten“.

Eine der Herausforderungen des beruflich Vielreisenden sind die kleinen, aber feinen sprachlichen Unterschiede in den verschiedenen Regionen Deutschlands, von den Spezialitäten in der Schweiz und Österreich ganz zu schweigen.

Hier und heute im Speziellen: Die Verabschiedung. Während in Bayern das „Pfiat di“, „Servus“ oder „Auf Wiederschauen“ (in der Schweiz „Auf Wiederluege“) eher üblich sind bzw. in Süddeutschland „Ade“ (in Schwaben: „Adele“) oder „Adieu“, so ist nördlich des Weißwurstäquators (Mainlinie) eher ein Tschüss oder Tschö (mit „ö“) gebräuchlich. So auch eine Studie der Uni Bonn: „Das Gebiet, in dem nach Auskunft der Gewährspersonen heute die Verabschiedung mit "tschö" üblich ist, deckt sich weitgehend mit dem mittelfränkischen und niederfränkischen Dialektraum, also dem Raum, der landläufig als "Rheinland" bezeichnet wird“, faszinierend was alles erforscht wird.

Die Schwierigkeit desjenigen der am Morgen in Düsseldorf war und am Abend in München, ist nun, sich im Rheinland nicht mit einem freudigen „Pfiat di“ zu verabschieden und den Abend in Bayern nicht mit einem „Tschö mit ö“ zu beenden.

Aber jetzt wird es spannend: Eigentlich resultiert alles aus demselben Ursprung! Adieu zum Beispiel bildet die Basis für Tschüss bzw. Tschö. So schreibt Wikipedia: “In weiten Teilen des deutschen Sprachraums außer dem Süden sind Abwandlungen wie das norddeutsche Tschüss (adjüs) oder das rheinische Tschö gebräuchlicher, die beide ihren Ursprung im französischen Adieu während der französischen Annexion der deutschen Küstengebiete bis Hamburg unter Napoléon Bonaparte haben.“. Noch mehr dazu? „Im Deutschen war Adieu bis 1914 der geläufigste Abschiedsgruß, wurde aber bei der damals einsetzenden antifranzösischen Sprachpropaganda recht erfolgreich außer Gebrauch gesetzt („Fort mit dem welschen Gruß ‚Adieu‘! Wir grüßen deutsch ‚Auf Wiedersehn‘!“).“

Und auch das bayrische Pfiat di resultiert ursprünglich vom „Pfiat Di God“ („Behüt Dich Gott“) ist dem Adieu somit gar nicht so unähnlich.

In diesem Sinne, manche Sachen, die grundverschieden wirken, sind sich bei näherer Betrachtung ähnlicher als man denkt, allerdings sollte man in Bayern trotzdem von einem Tschö als Verabschiedung Abstand nehmen.

Bis bald

Ihr

Ingo Weber