Kontakt

Überlegungen zur Integrierten Banksteuerung aus Sicht des Rechnungswesens

Financial Services -

Wenn das Thema auf Steuerung fällt, stellt sich regelmäßig die Frage, was gesteuert werden soll und was das Steuerungsziel ist. Je nachdem wem beziehungsweise welchem Bereich man diese Frage stellt, fällt die Antwort unterschiedlich aus. Ziel einer integrierten Banksteuerung ist es einerseits ein Gesamtbild aller relevanten Dimensionen - oder zumindest zu den Wichtigsten - zu erhalten und anderseits Zielkonflikte und die Auswirkungen von verschiedenen Steuerungsentscheidungen im Vorfeld transparent zu machen. Aus Sicht des Rechnungswesens stellt sich darüber hinaus regelmäßig die Frage, ob die Bilanzsteuerung eine eigene Funktion ist oder es sich um eine abgeleitete Funktion handelt und wie die Wechselwirkungen zu den anderen Bereichen aussehen. In einem ersten Schritt gilt es, die verschiedenen Dimensionen und Themenbereiche der Steuerung sowie die federführenden Bereiche zu identifizieren. Hier sind zu nennen:

  • Die Zinsbuchsteuerung als Aufgabe der Treasury beziehungsweise des Risikomanagements. Wechselwirkungen zum Rechnungswesen bestehen einerseits hinsichtlich dem Hedge Accounting, aber auch bezüglich dem Rückstellungstest gemäß BFA 3. Zur Kapitalsteuerung wiederum bestehen Wechselwirkungen zum Beispiel im Rahmen des IRRBB. Die Ertragssteuerung wiederum greift auf Informationen aus dem Funds Transfer Pricing zurück.
  • Die Ertragssteuerung und Deckungsbeitragsrechnung als Aufgabe des Bankcontrollings. Wechselwirkungen zum Rechnungswesen bestehen hier zur Kategorisierung und zur (Effektiv-)zinsberechnung. Zum Risikocontrolling bestehen Wechselwirkungen im Rahmen der Ermittlung von Kapitalkosten.
  • Die Kapitalsteuerung als Aufgabe des Risikocontrollings und Meldewesens. Wechselwirkungen zum Rechnungswesen bestehen hier vor allem hinsichtlich der Exposure Werte für die aufsichtsrechtliche RWA-Ermittlung und auch das bilanzielle Eigenkapital als Grundlage für das aufsichtsrechtliche Eigenkapital.

Neben der Definition der Themen und Bereiche ist in einem zweiten Schritt zu definieren, wie und wo die Ist-Ergebnisse, Planung und Simulation erfolgen können und sollen und wie gegebenenfalls Teilergebnisse zusammengeführt werden. Zwar bestehen für die einzelnen Bereiche regelmäßig Systeme, um alle benötigten Werte zu ermitteln, doch bereits bei der Überleitungsrechnung treten häufig Probleme auf. Wenn es dann darum geht für Planungszwecke oder im Rahmen eines Stresstests einheitliche Annahmen für alle Bereiche zu verwenden und die Wechselwirkungen von Maßnahmen ad hoc zu bestimmen, kommen viele aktuelle Steuerungsarchitekturen an ihre Grenzen. Folgende Probleme tauchen regelmäßig auf und müssen für eine integrierte Steuerungsarchitektur gelöst werden:

  • Annahmen hinsichtlich Neugeschäftsentwicklung müssen einheitlich in allen Welten getroffen werden. Oft findet jedoch kein integrierter Austausch zwischen den Bereichen statt, so dass zwar zum Beispiel das Bankcontrolling mit dem gleichen Neugeschäftsvolumen wie das Rechnungswesen plant, aber Details wie die Klassifizierung oder die Wertberichtigungen unabhängig voneinander geplant werden und nachher nicht mehr abstimmbar sind.
  • Zum anderen ergibt sich bei Simulations- und Planungsrechnung regelmäßig die Frage, wo die Werte in den Planszenarien gerechnet werden können. Methodisch wäre eine einheitliche Rechnung in den operativen Systemen sicher erstrebenswert, um einen Methodenbruch zu vermeiden. In der Realität ist es jedoch oft schwierig und riskant, Planportfolien in die operativen Buchhaltungssysteme zu bringen oder Alternativrechnungen mit anderen Marktparametern parallel zum laufenden Betrieb durchzuführen.

In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Integration der Banksteuerung nicht mit einer one-fits-all Blaupause zu implementieren ist, sondern nur in Abhängigkeit von den Gegebenheiten der einzelnen Bank entwickelt werden kann. Als wesentliche Faktoren sind hier vor allem Art, Umfang und Komplexität des Geschäftsmodells, die bestehende IT- und Reportingstruktur sowie die verfügbaren Ressourcen zu nennen.

Trotzdem sind entsprechende Erfahrungen in diesem Umfeld unerlässlich für eine erfolgreiche Umsetzung. Die FAS AG freut sich dieses Thema mit Ihnen bilateral oder im Rahmen unseres Thementages im Mai näher zu diskutieren.

Ansprechpartner
 Andreas Huthmann Vorstand