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Unfähig zur Teamarbeit

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Hören wir das nicht häufig als Kritik an Kollegen oder uns selbst? Unfähig oder unwillig zur Teamarbeit!

Und wie reagieren die meisten Unternehmen darauf: Man möchte Teamarbeit aufzwingen und packt alle Kollegen in ein (Großraum-)Büro, klettert gemeinsam auf Bäume oder verankert Teamarbeit in den Unternehmenswerten und der Intensivierung. Und funktioniert es? Leider viel zu häufig nicht.

Francesca Gino, Professorin für Business Administration an der Harvard Business School, schlägt hingegen einen anderen psychologischen Ansatz vor und rät zu sechs Schulungstechniken mit denen Führungskräfte und Mitarbeiter (da fängt es schon an, besseres Wording „Kollegen“) Teamarbeit lernen können:

1. Zuhören statt reden

Es ist so banal, aber doch zu schwierig. Wir hören zu wenig zu und konzentrieren uns lieber auf unseren eigenen Auftritt. Ansatzpunkte, um dies zu verbessern, sind zum Beispiel differenzierte Fragen zu den Aussagen von Gesprächspartnern zu stellen, sich auf seinen Gesprächspartner zu konzentrieren, die Durchführung von Selbstchecks (habe ich im Meeting aktiv zugehört? Wie fühlte sich mein Gegenüber im Gespräch?) und Pausen beim Sprechen (anstatt den Gesprächspartner mit einem Redeschwall zu überhäufen).

2. Empathie lernen

Sich auf die Sicht von jemandem anderen einzulassen ist nicht einfach. Mit konkreten Fragen wie „Wie finden Sie diese Idee?“ oder „Warum wünschen Sie sich ein anderes Vorgehen?“ kann man den Denkhorizont erweitern. Gleichzeitig empfiehlt es sich auf Unausgesprochenes zu achten, also auf das was Leute nicht sagen aber zeigen (Unsicherheit, Frustration, Aggression etc.) und sprechen Sie dies aktiv an.

3. Feedback fördern

Auch hier gilt das unter (1.) gesagte. Es ist so einfach und doch sehr schwer: Ehrliches Feedback geben und es auch zu akzeptieren. Dabei hilft es manchmal schon mit Kollegen (!) über die Schwierigkeiten und Vorbehalte beim Feedbackgeben (und –nehmen) zu sprechen. Wenn Sie Feedback geben, so versuchen Sie möglichst direkt, konkret und hilfreich zu sein. Was auch helfen kann, ist Feedback zu geben zu der Art wie man Feedback gibt (nicht inhaltlich!).

4. Führen und Führen lassen

Das richtige (!) Führen fällt Menschen häufig schon schwer, das sich führen lassen umso mehr. Leider entscheiden wir häufig anhand unserer übertriebenen positiven Selbsteinschätzung. Stattdessen wäre es manchmal auch besser, auf andere zu hören, die es vielleicht besser können oder mehr relevante Erfahrung besitzen. Hierzu gehört folglich auch, dass wir Aufgaben delegieren sollten, soweit es für die Themenstellungen besser geeignete Personen gibt (die Zeit haben).

5. Klar reden

Bei Arthur Andersen gab es einen Spruch „Think straight, talk straight“. Dies sollten wir auch in der Zusammenarbeit beherzigen. Je konkreter wir formulieren und die Ziele bespielhaft darstellen, desto mehr Gewicht haben unsere Worte. Auch dies kann man sehr gut üben beziehungsweise beheben, in dem man sich Zeit nimmt für die Vorbereitung eines Gesprächs.

6. Win-Win

Es ist eine alte aber immer wieder gute Übung: Die Probanden haben die Aufgabe eine Orange zu teilen. Jeder bekommt einen Grund, den jedoch das Gegenüber nicht erfährt. Einer will das Fruchtfleisch für den Saft, einer die Schale für ein Backrezept. Ohne Austausch wird die Orange zweigeteilt oder ein Teilnehmer verweigert die Zusammenarbeit komplett. Erst mit Austausch wird klar, dass beide den für sie relevanten Teil der Orange erhalten können. Und so ist es häufig in der Zusammenarbeit. Erst wenn man versteht, was der Partner möchte, kann man sich auch überlegen, wie man gemeinsam die jeweiligen Ziele erreichen kann.

In diesem Sinne, arbeiten Sie aktiv an der Fähigkeit von sich und anderen zur Teamarbeit und sie werden wesentlich mehr erreichen als im nächsten Baumwipfelpfad zu Klettern.

Ihr

Ingo Weber