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Von den drei Sieben des Sokrates…

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Hat es Sie auch gerade erwischt? Der Kollege, der kurz seine Nase ins Zimmer steckt, um nur schnell etwas mit Ihnen zu besprechen und dann eine halbe Stunde später noch immer bei Ihnen in der Tür steht, dabei die verzweifelten Blicke auf die Uhr und das Handy ignoriert? Oder die Kollegin, die neben Ihnen am Morgen beim ersten Kaffee im Büro steht und über das Leid der Welt klagt, weil alles so schlimm ist und man weder ein noch aus weiß? 

An beide musste ich neulich denken, als ich über die „Drei Siebe des Sokrates“ las. Sie beruhen auf der folgenden Geschichte:

Sokrates, der griechische Philosoph, bekommt Besuch von einem Bekannten.

„Hör mal, Sokrates, weißt du eigentlich, dass dein Freund –“ 

„Warte!“, unterbricht Sokrates seinen Gast. „Hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“

Der Bekannte ist verwundert. „Drei Siebe?“

„Ja“, antwortet Sokrates. „Das erste Sieb, ist das Sieb der Wahrheit. Hast du das, was du mir sagen willst, auf seine Wahrheit überprüft?“

„Na ja, ich habe es nur gehört“, räumt der Bekannte ein. „Aber –“

„Das zweite Sieb, ist das Sieb der Güte und des Guten. Ist das, was du mir sagen willst, denn gut, wenn es schon nicht wahr ist?“

Der Bekannte zögert. „Nein, eher im Gegenteil.“

Sokrates fährt fort. „Wenn es nicht wahr und nicht gut ist, ist es dann unbedingt notwendig, dass du es mir erzählst? Das dritte Sieb, ist das Sieb der Notwendigkeit.

Nun ist der Bekannte bedrückt. „Notwendig ist es nicht unbedingt.“

„Also, mein Freund, wenn das, was du mir sagen willst, weder wahr noch gut, noch notwendig ist, dann begrabe es bitte und belaste weder dich noch mich damit.“

Wäre es nicht toll, wenn wir (und alle anderen) uns an diese drei Siebe halten würden? Wenn wir uns im ersten Schritt darüber Gedanken machen würden, ob es überhaupt richtig ist, was wir erzählen – oder ob es nur Gerüchte sind, die wir bereitwillig weiterverbreiten oder mit der stillen Post noch einen weiteren Reim dazu fügen.

Wäre es im zweiten Schritt nicht noch besser, wenn wir uns die unschönen und bösen Geschichten, gefüllt mit negativen Gedanken und negativer Energie, verkneifen würden? 

Und last but not least, sollten wir nicht auch reflektieren, ob es auch notwendig ist diese Geschichten zu erzählen oder, ob es für den Empfänger vielleicht relativ uninteressant ist. 

Dies sollte natürlich nicht dazu führen, dass wir nur noch gute Fakten auf den Punkt kommunizieren. Ein bisschen drum herum und gerade auch das Philosophieren gehören natürlich dazu. Aber bitte alles mit Maß und Ziel.

In diesem Sinne, beherzigen Sie doch öfters die drei Siebe des Sokrates und halten Sie ab und zu auch mal ihr Umfeld dazu an, sich darüber Gedanken zu machen.

Ihr 

Ingo Weber