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Wiesn- und Wasenzeit

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In München ist wieder Wiesn-, in Stuttgart Wasen-Zeit. Gerne dort auch die fünfte Jahreszeit genannt. Mag man Fasching (das Wort „Karneval“ ist dann doch eher dem Rheinland vorbehalten) oder das Frühlingsfest in den beiden vorgenannten Städten mitzählen, kommt man gerne auch auf die sechste oder siebte Jahreszeit.

Die Wiesn bzw. der Wasen (den Anfänger oder Auswärtigen erkennt man daran, dass er gerne durchmischt: „die WiesEn“, „der Wiesn“, „die Wasen“ oder auch „der Wasn“) sind immer eine schöne Gelegenheit, seine Kontakte zu pflegen und neue Leute kennenzulernen. Studienfreunde, die schon während des Studiums traditionell zusammen zu der Festivität gefahren sind, setzen diese Gepflogenheit auch nach dem Abschluss fort (wobei die Teilnahmequote mit Familiengründung häufig ab, später dann allerdings auch wieder zunimmt). Firmen laden ihre (potenziellen) Kunden, Geschäftspartner und Mitarbeiter zu einem gemütlichen Beisammensein ein, um sich in entspannter Atmosphäre über aktuelle Belange auszutauschen. Dabei lässt sich oft feststellen, dass der teilweise etwas ruhig eingeschätzte IFRS-Spezialist nach der ein oder anderen Mass eine ganz andere Seite zeigt und ungeahnte gesangliche Talente offenbart.

Wen im Übrigen schon immer die Frage beschäftigt hat, ob die Mass oder Maß, hierzu das oberbayerische Volksblatt: „Der "Fluß", gesprochen mit kurzem u, schreibt sich jetzt (nach der Rechtschreibreform) offiziell als "Fluss"; der "Fuß" dagegen blieb "Fuß", weil das u hier lang gesprochen wird. Somit wäre die Entscheidung zwischen "Maß" Bier und "Mass" Bier bei der Schreibung im Standarddeutschen eigentlich ein Leichtes, wären da nicht unsere Landsleute aus dem "Hohen Norden" und deren Spezln in der Redaktion des Duden! Sie alle beharren auf der Aussprache mit langem a und schreiben daher "Maß". Am Ende kommt die Redaktion allerdings zum Schluss: „Es heißt also "die Mass", wobei nach neuer Rechtschreibung das -ss die Kürze des Vokals vermittelt.“

Auch die FAS nutzt(e) die Gelegenheit, um an diesem Wiesn-Dienstag und noch anstehend am nächsten Wasen-Donnerstag mit Mandanten sowie diesen Wiesn-Mittwoch mit unseren Münchner-Mitarbeitern und zum finale grande dann am letzten Wasensamstag – auch schon traditionell – mit unseren Stuttgarter Mitarbeitern, ausführlich zu feiern. Allen Beteiligten jetzt schon vielen Dank für die Teilnahme und dem ein oder anderen „Gute Besserung!“.

Diese Veranstaltungen sind aber auch ein riesiger Schmelztiegel zwischen Gesellschaftsschichten und Nationalitäten, wobei sich dieses Zusammenkommen meistens auf den An- und Abmarsch beschränkt und es spätestens in den Zelten häufig zu einer Separierung kommt (Stichwort Mittelschiff vs. Loge). Schon fast skurril ist die Situation in den (in dieser Zeit ganz besonders) teuren Hotels, wo angeheiterte Wiesn-Besucher und Damen im Dirndl – die zeigen was sie haben – auf abstinente arabische Gäste und ihre vollverschleierten Frauen treffen. Ganz abstrus wird die Situation dann in den Zügen von und nach München und am Münchner Hauptbahnhof, wo sich zusätzlich noch Flüchtlinge aus ähnlichen Regionen aufhalten. Wie muss dies auf diese Menschen wirken, wenn sie nach einer langen Reise im vermeintlich gelobten Land ankommen und als erstes bajuwarisches Traditionsgut erleben müssen. Aber ich will Ihnen hier ja den Spaß auch nicht verderben, sondern lediglich zum Nachdenken anregen.

In diesem Sinne genießen Sie die Wiesn- und Wasenzeit – soweit das natürlich ihr Ding ist – denken Sie aber auch an die Menschen, denen aktuell nicht zum Feiern zu Mute ist!

Bis bald

Ihr
Ingo Weber