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Fortführungsprognose und Sanierungsgutachten IDW S6

Unternehmenskrisen vollziehen sich häufig zunächst schleichend und unauffällig. Sie führen zu einem schrittweisen Rückgang von Wettbewerbsfähigkeit, Profitabilität und Unternehmenswert. Mit fortschreitendem Krisenverlauf nimmt der Handlungsdruck zu und der Gestaltungsspielraum dagegen ab. Gleichzeitig steigt das Insolvenzrisiko. Ein frühzeitiges und umfassendes Umdenken und Eingreifen kann nachhaltig negative Entwicklungen begrenzen, beziehungsweise verhindern und eine nachhaltige Gesundung der Unternehmung initiieren. Eine externe Begleitung der Restrukturierung ist in der Regel Voraussetzung für die nachhaltige Stabilisierung der Finanzierungsverhältnisse.

Für die Geschäftsführer einer juristischen Person (zum Beispiel GmbH) besteht die Pflicht zur Erstellung einer Fortführungsprognose, sobald sich die finanzielle Lage des Unternehmens verschlechtert. Typische Anzeichen einer Verschlechterung sind rückläufiges Eigenkapital und Zahlungsstockungen. Unterlässt die Geschäftsführung Maßnahmen zur Validierung der Fortbestandsperspektiven, verletzt sie ihre Sorgfaltspflichten gegenüber der Gesellschaft und ihren Geschäftspartnern und macht sich unter Umständen haftbar.

Veranlassung zu einer Fortführungsprognose

Bei der Fortführungsprognose ist zu analysieren, ob die Annahme der Unternehmensfortführung im Sinne des § 252 Abs. 1 Nr. 2 Handelsgesetzbuches (HGB) bejaht werden kann. Es dürfen keine rechtlichen oder tatsächlichen Gegebenheiten der Fortführung der Unternehmenstätigkeit entgegenstehen. Das Unternehmen soll unter anderem im zugrundeliegenden Prognosezeitraum über – aus heutiger Sicht – ausreichende Finanzmittel verfügen.

Sanierungsgutachten gemäß IDW S6 und BGH-Rechtsprechung

Zielsetzung eines Sanierungsgutachtens ist die Beurteilung der Sanierungsfähigkeit des Krisenunternehmens. Über die Fortführungsprognose hinaus müssen durch geeignete Sanierungsmaßnahmen sowohl die Wettbewerbsfähigkeit, als auch die Renditefähigkeit wiedererlangt werden können.

Um diese weitreichenden Fragestellungen im Zusammenhang mit der Sanierungsfähigkeit beantworten zu können, definieren Rechtsprechung und IDW Kernanforderungen, die typischerweise in einem Sanierungsgutachten bearbeitet werden:

  • Beschreibung von Auftragsgegenstand und -umfang
  • Basisinformationen über die wirtschaftliche und rechtliche Ausgangslage des Unternehmens in seinem Umfeld, einschließlich der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage
  • Analyse von Krisenstadium und -ursachen, einschließlich der Analyse, ob eine Insolvenzgefährdung vorliegt
  • Darstellung des Leitbildes in Zusammenhang mit dem Geschäftsmodell des sanierten Unternehmens
  • Maßnahmen zur Bewältigung der Unternehmenskrise und Abwendung einer Insolvenzgefahr
  • Integrierter Unternehmensplan
  • Zusammenfassende Einschätzung der Sanierungsfähigkeit

Je nach Ausprägung der Unternehmenskrise können im Rahmen eines Sanierungskonzeptes verschiedene Schwerpunkte gesetzt werden.

 

Umsetzungsprozess im Anschluss an ein Restrukturierungskonzept

Restrukturierungs- und Sanierungsprozesse enden häufig nicht mit Erstellung und Vorlage einer Fortführungsprognose beziehungsweise eines Sanierungsgutachtens. So schließen sich regelmäßig Verhandlungen mit Finanzierungspartnern, Arbeitnehmern, Lieferanten und gegebenenfalls weiteren Stakeholdern, wie auch vielfältige Kommunikationsmaßnahmen an.

Auf die Erstellung von Restrukturierungskonzepten folgt darüber hinaus in der Regel die Umsetzung der identifizierten Maßnahmen. In dieser Phase gilt es, die geplanten Maßnahmen in Teilaufgaben zu zerlegen und Personen als Verantwortliche zuzuweisen. Im Rahmen der Projektsteuerung ist auch eine Fortschrittskontrolle sowie ein Reporting zu etablieren, das regelmäßig für die externe Kommunikation mit Stakeholdern Verwendung findet.

Im Umsetzungsprozess unterstützen wir unsere Mandanten zum einen auf Basis unseres umfassenden methodischen Know-hows im Bereich des Projektmanagements. Zum anderen stehen wir durch unsere ergänzenden Kenntnisse in den Beratungsfeldern Tax und Legal für die Bearbeitung steuerlicher, arbeits- oder gesellschaftsrechtlicher Fragestellungen zur Verfügung. Durch die Kombination der genannten Fachkompetenzen tragen wir dazu bei, dass konzeptionelle Maßnahmen auch zeitnah wirksam werden. Auf Wunsch stellen wir für den Umsetzungsprozess auch Interim-Management-Kapazitäten bereit.

Bei Interesse und für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Ansprechpartner
 Dr. Rainer Doll Partner